Die negativen Auswirkungen von zu viel Arbeit

Meine schwierige Natur & die Lust nach Wissen

Ein etwas anderes Thema welches mich persönlich seit einigen Monaten sehr beschäftigt.

Ich gehe davon aus das die meisten Menschen schon einmal davon gehört haben, das zu viel Arbeit eine negative Auswirkung auf das Wohlbefinden und die Gesundheit hat.

Das Thema verdrängen einige Menschen und sagen sich „ach, nur noch eine Stunde, morgen gehe ich früher schlafen“.

Was bedeutet es wirklich am Limit zu arbeiten?
Das Limit ist die Zeit. Wir brauchen Sie um uns zu erholen.
Seit fast drei vollen Jahren bin ich neben der täglichen 8 bis 9 Stunden Arbeit, nebenher tätig. Ich plane gerne eigene Projekte, erfinde Marken, baue Webseiten und erschaffe Lösungen für Probleme die mich stören.
Dabei habe ich mir bisher keine Grenzen gesetzt. Vom Kleingewerbe bis hin zur GmbH, von einer Nacht durcharbeiten zur Freitag morgen bis Sonntag Nacht Session. Immer mehr und mehr. Hauptsache schnellst möglich die Projektziele erreichen.

Das wohl härteste Jahr war 2019.
Ich hatte mich entschlossen für meine Beteiligungen, Dienstleistungen und Projekte eine GmbH zu gründen. Ich wollte wissen wie das ist mit so einer Firma. Das Gefühl nun endlich nicht mehr auf seinen privaten Namen eine Rechnung zu schreiben, endlich richtig viele Steuern zahlen, Förderzuschüsse erhalten und natürlich einfach in der Start-Up Szene mit dabei zu sein.

Background Info: ca. 800 Registrierte Domains, ca. 500 aktive Hosting Verträge, 2 freie Mitarbeiter.

„Es könnte sein das Sie recht haben und der Tag wirklich nur 24 Stunden hat.“ – Jonas Hartmann, 19 Jahre, im Gespräch beim Notar, als Antwort auf die Frage ob ich wirklich neben der Arbeit, ohne Beratung, gründen möchte.

Eine Unternehmung zu führen, egal welcher Rechtsform, bedeutet Verantwortung zu tragen. Besonders dann wenn man sich um seine Mitarbeiter kümmern muss. Erklären Sie doch einmal ihrem Angestellten das Sie nur ab 19 Uhr erreichbar sind, da dies nur ihr „Nebenjob“ ist.
Achso und das Onboarding? Die Anmeldung bei der Genossenschaft?
Ja, der Tag hat 24 Stunden.

Zur Nebentätigkeit kommt die Belastung durch den Hauptjob. Ich habe bei einer großen Eventagentur im Marketing gearbeitet. Dort habe ich viel gelernt, vor allem bin ich dort groß geworden. Das war nicht immer leicht.
Du hast immer im Hinterkopf wie du deine eigenen Projekte von Nacht zu Nacht voran bringst und musst dann am nächsten Morgen akzeptieren das deine Vorschläge und dein Engagement einfach nicht richtig angehört wird. Durch das junge Alter werden Ideen als „Spinnereien“ bezeichnet und teilweise mit den typischen „Never change a running system“ Argumenten kleingeredet.
Mein größtes Problem war die Kommunikation. In meinem Kopf hat alles einen Sinn ergeben und ich wusste ja wie man das Ziel erreichen kann.
Diese Parallele zwischen Unternehmer und junger Mitarbeiter war stärker als ich mir das vorgestellt hatte.

Durch die Arbeit in der Eventagentur kamen unzählige Club Veranstaltungen in den Nächten am Wochenende. Dort in entspannter Kleidung seine Arbeit zu erledigen und dann am Sonntag morgen um 5:00 Uhr beim Bäcker sein belegtes Brötchen mit Ei und Salat zu essen, danach Duschen zu gehen, sich ins Bett zu legen, in 5 Stunden wieder aufzustehen und dann im Anzug seinen Projekten nachzugehen, das war dann ein Kontrastprogramm der Spitzenklasse.
Von der 14,99€ Stoffhose zum 500€ Anzug in nur 5 Stunden.
Nein es gibt keine Creme die verbirgt das man Nachts im Club gearbeitet hat, also ich habe keine gefunden.

Ja… und dann Sitze ich da am Sonntag Mittag mit einem Kaffee, meinem weißen Notizbuch und einem leckeren Stück Kuchen und frage mich warum mein gegenüber eigentlich so eine miese sch***e abliefert das ich mich glatt frage warum ich diese Person eigentlich eingestellt habe.
Das schöne ist das ich durch meine Chronische Dauermüdigkeit sehr entspannt geworden bin. Eigentlich Widersprüchlich aber so war es.
Mein Gegenüber hatte also nur die Hälfte der Arbeit gemacht, ich brauchte aber Montag morgen das Whitepaper. Was ist da dann die Lösung? Auf die Aussage vertrauen und einen Deal riskieren? Nein, bestimmt nicht. Da heist es dann wieder selbst anpacken und die frühe Sonntag Nacht auf Monat nutzen.

So ging es das ganze Jahr.

Das doofe war derzeit das je mehr ich arbeiten konnte, desto mehr Geld kam am Ende bei raus. Ich bin richtig süchtig nach Konsum und Luxus geworden. Neuer PC, check. Zweites MacBook, check. Neue Riesen Monitor, check. Obwohl ich bisher nur meiner Leidenschaft und meinem Drang nach Lösungen gefolgt bin, hatte ich auf einmal so viel Geld welches ich garnicht ausgeben konnte. Die Umstellung von Sparsamkeit und kompletter Verlust über das Geld war schwer.
Man denkt nicht mehr nach ob man sich das wirklich leisten kann, man kauft einfach – wenn es nicht gefällt kann man es ja zurück senden.
Hierzu kurze zwischen Nachricht: Konsum macht nicht glücklich.
Ich wusste das aber man merkt nicht das der eigene Konsum steigt wenn man nur mit der Arbeit beschäftigt ist.
Man findet für alles eine Verwendung.
Außerdem konnte man ja alles über die GmbH kaufen, abschreiben und 19% sparen.
Auch der Gewinn und damit die Steuern wurden weniger wenn die Gesellschaft Geld ausgibt. Es war ja genug in der Firma drinnen zum ausgeben. Jeden Monat, immer mehr, ganz automatisch.
Es gab zwar größtenteils jeden Monat die gleichen wiederkehrenden Einnahmen durch laufende Verträge, aber die Zeitaufwendigen Zusatzpakete verkaufen sich nur dann gut, wenn man sich auch wirklich die Zeit dafür nimmt.
Als dann mit der GmbH der Verwaltungsaufwand größer wurde, ich die festen Mitarbeiter durch mehrere günstigere Mini-Jobber ersetzt hatte und diese leider noch weniger von ihrem Fachbereich verstanden als ein Durchschnitts Drittklässler, musste ich mir ein Wochenende frei nehmen und ein „Krisenkonzept“ entwickeln.
Ja ich nenne das hier Krise. Eine Art persönliche Krise.
Versteht mich nicht falsch, die Umsätze ware super, aber die Work-Work-life Balance fühlte sich nicht gesund an.

Ich konnte auch an tagen an denen weniger los war, nur sehr schwer einschlafen. Chronische Müdigkeit wurde durch pulsierende Dauerkopfschmerzen und Appetitlosigkeit ergänzt. Seit Wochen nicht mehr wirklich draußen gewesen, keine Lust mehr mit anderen Leuten zu reden und dauernd Stress von allen Seiten.
Achso, ja vielleicht hat mein privater Umzug auch den Ansporn zum Krisenkonzept gegeben – der kam ja dann im November neben der 120 Stundenwoche noch dazu.

Ja es war wirklich Zeit sich Gedanken zu machen wie es weitergehen soll.
Antwort: anders

Sagen wir es wie es ist – zu viel Arbeit, Chronisch Krank, keine Sozialen Kontakte mehr.
Lösung: Projekte auf Abo umstellen, keine Zusatzangebote mehr, Mini-Jobber kündigen, GmbH liquidieren und freiberuflich ganz entspannt sein bestehenden Kunden, automatisiert weiter versorgen.
Private Maßnahme war unter anderem die Kündigung aufgrund der fehlenden Perspektive in meinem Job. Ich habe eine neue Stelle in Frankfurt angenommen um nun mein Kompetenzen zum Top-Manager auszubauen.

Ja, es hat alles geklappt.
Ja, ich bin aus meiner schönen eigenen Wohnung zurück in das Haus der Eltern gezogen.
Ja, die haben sich sehr gefreut ihren Sohn mit samt Firma und Equipment in die Wohnung im Dach zu stecken.
Ja, die 1 Gbits Internetleitung war auch ein notwendiges Upgrade
Ja, ich habe an einem Wochenende im Januar sogar etwas mit freunden gemacht.. achja, es war Silvester und an meinem 20. Geburtstag.
Ja, ich hatte sogar Zeit eine größere Investition überdenken
Ja, im Februar war meine Gesundheit wieder in Ordnung.
ABER
Nein, ich konnte nicht vorhersehen das in einem Monat meine Mammut-Investition die ich im Januar nach der letzten GmbH-Gewinnausschüttung getätigt hatte nun um 45% an Wert verloren hat. (Danke Corona)
Ja, ich hatte sehr viel Geld verloren und
Ja, da ging der neue Job in Frankfurt los und
Ja, jeden Morgen 5:30 aufstehen und den ICE nach Frankfurt nehmen lässt einen in alte Muster fallen und
Ja, da war dann dieses Corona und
Ja, ich helfe zu gerne bei Krisen und
Jaa verdammt jetzt stehe ich wieder da wo ich im November 2019 stand!

deshalb schreibe ich diesen Beitrag.
Nachts um 3:29 Uhr, kann nicht schlafen, frage mich wie ich meine Schlaflosigkeit effizient nutzen kann.
Mehr Projekte!!
Ja, aber
Es muss sich was ändern.
Hauptjob geht vor, hier lerne ich wichtige Fähigkeiten.
100 Stunden pro Woche als max.
Gesunde Ernährung.
Sport.
Freunde.


Ich arbeite nun an einer kostenloses Webseite für Kletterer, man kann über die Seite nach Kletterpartnern in der Umgebung suchen.
Und an einer Cloud Umgebung für Schulen für eine produktive, einfache und Ortsunabhängige Collaboration.
Und an einem Deutschen Content Delivery Network.
Und an einem Webshop für individuelle Handcremes.
Und an einer Live Streaming Cloud Plattform für Musik Streams.
Und an dem schnellsten Cloud Hosting in Deutschland.

Zu viele Projekte aber zu starke Begierde nach Lösungen.
Die Lust und Motivation etwas voranzubringen.
Investieren.

Ja, aber
Es muss sich was ändern.
Hauptjob geht vor, hier lerne ich wichtige Fähigkeiten.
100 Stunden pro Woche als max.
Gesunde Ernährung.
Sport.
Freunde.

Willst du mein Freund sein?
Ich habe am Wochenende Zeit – lass uns in ein Cafe setzten und.. oh. vergiss es, aber ich würde mich über eine Nachricht freuen. Soziale Kontakte sind in meiner Natur leider schwer.
I give my very very best.
I promise.